Forschungskreis Vereinte Nationen

Protokoll der Gründungskonferenz

17. Dezember 1999 in der Universität Potsdam

 

Teilnehmer (lt. Anwesenheitsliste):

Friederike Brinkmeier, Erhard Crome, Ulrike Eppe, Prof. Dr. Ulrich Fastenrath, Kirsten Gerstner, Prof. Dr. Martina Haedrich, Dr. Andreas Haratsch, Dr. Frank Hoffmeister, Prof. Dr. Klaus Hüfner, Prof. Dr. Otto Keck, Prof. Dr. Eckart Klein, Gregor Kolk, Hans Peter Kotthaus, Anja Papenfuß, Andrea Roth, Dr. Stefanie Schmahl, Prof. Dr. Wolfgang Spröte, Dr. Peter-Tobias Stoll, Dr. Helmut Volger, Dr. Norman Weiß, Reinhard Wesel, Dr. Axel Wüstenhagen, Dr. Alfred de Zayas.


 

Prof. Eckart Klein eröffnet die Konferenz um 15.00 Uhr und begrüßt die Teilnehmer als Gastgeber im Gebäude der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam.

Anschließend erläutert Dr. Helmut Volger in einem einleitenden Statement die möglichen Aufgaben eines zu schaffenden Netzwerks der deutschsprachigen UN-Forschung anhand der Defizite, die bisher in der deutschsprachigen UN-Forschung zu konstatieren sind:

1. Mangelnde Kooperation der einzelnen Lehrstühle, Institute und sonstigen wissenschaftlichen Einrichtungen, in denen UN-Forschung stattfindet, v.a. mangelnde interdisziplinäre Kooperation zwischen Völkerrechtlern, Politikwissenschaftlern, Ökonomen und Historikern.

Damit im engen Zusammenhang eine mangelnde Information untereinander und gegenüber der Öffentlichkeit über laufende Forschungsprojekte.

2. Bedarf der politischen Institutionen, v.a. des BT-Unterausschusses Vereinte Nationen, an Gutachten bzw. Stellungnahmen zu aktuellen Fragen für Anfragen oder Debatten im Bundestag, Hearings im Ausschuß etc. Ebenso Bedarf an wissenschaftlich fundiertem Material über die UNO für die Diplomatenausbildung.

3. Interesse des UNIC Bonn an Wissenschaftlern, die an Texten und Pressekonferenzen des UNIC Bonn mitwirken können.

4. Interesse von Journalisten, kompetente Gesprächspartner für eigene Berichte über die UNO zu finden.

5. Mangel an effizienter und koordinierter Information und Beratung von Studenten über UN-Themen im Studium (Zugang zu Dokumenten, Forschungsliteratur, Praktika) und bei der Berufswahl und Arbeitsplatzsuche.

Daraus ergeben sich die folgenden Schwerpunkte der Arbeit des zu gründenden Arbeitskreises:

1. Schaffung eines Informationspools über laufende Forschungsprojekte über die Vereinten Nationen durch systematische Erhebungen mit Fragebögen mit dem Ziel einer besseren Koordination, verbunden mit Bearbeitung von Querschnitts-Themen auf Konferenzen. Kommunikation über Forschungsprojekte am besten über das Internet (E-Mail-Bulletins, dann Homepage).

2. Aufbau einer ständig zu aktualisierenden Adressdatei/eines Forschungsregisters von Fachleuten, die für die Politikberatung zur Verfügung stehen.

3. Aufbau eines entsprechenden Registers für die Mitarbeit an Projekten des UNIC Bonn bzw. für die Zusammenarbeit mit Fachjournalisten (die Register 2 und 3 können sich in vielen Fällen überschneiden).

4. Einrichtung von Informationsseiten innerhalb der Homepage für Studenten zu den wichtigsten Themen (Zugang zu UN-Dokumenten, Bibliographien zu UN-Themen, Links zu UN-Praktika).

Organisatorisch sollte der Arbeitskreis durch eine ehrenamtliche Kraft in einem Sekretariat koordiniert werden, das am besten an das Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam, das unter der Leitung von Prof. Klein steht, angegliedert sein sollte. Prof. Klein ist mit dieser Lösung einverstanden. Die Kommunikation sollte aus Kostengründen nur per E-Mail und Internet abgewickelt werden, weil dem Menschenrechtszentrum selbst nur knappe Ressourcen zur Verfügung stehen. Mittelfristig müßten andere Finanzierungsmodi gefunden werden.

In der anschließenden Diskussion ergeben sich folgende Schwerpunkte bzw. Ergänzungen des vorgestellten Konzepts:

1. Betonung der Nachwuchsförderung, z.B. durch Veranstaltung einer Konferenz zu diesem Thema oder durch die Einladung junger Wissenschaftler zu den Folgekonferenzen, damit 2 oder 3 aus ihrer Forschung vortragen können, eine Art erweitertes Doktorandenseminar im Rahmen der Konferenz.

Außerdem sollten zu diesem Zweck Informationen zu Praktika und Berufschancen bei den Vereinten Nationen in New York, Genf und Wien vermittelt werden, v.a. durch Veröffentlichung im Internet.

Es sollte sich um eine Zusammenarbeit mit den zuständigen Bundesministerien. v.a. mit dem Auswärtigen Amt bemüht werden, mit dem Ziel, den deutschen Personalbestand im UN-System zu vergrößern.

2. Einbeziehung der Depotbibliotheken durch Zusammenarbeit mit den dortigen Bibliotheken.

3. Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, u.a. mit der Forschungsstelle der DGVN. Herr Wesel übernimmt die Information des DGVN-Vorstandes.

4. Ankündigung der Gründung in den entsprechenden Fachpublikationen der einzelnen Fachdisziplinen.

5. Das UNIC Bonn bietet eine Vernetzung mit seiner Homepage und die Vermittlung des Zugangs zum Optical Disk System. Sein Leiter Dr. Axel Wüstenhagen will die Gründung des Forschungskreises in New York mitteilen.

UNIC Bonn will die Mitglieder des Forschungskreises in den Verteiler für seine Rund-Mails aufnehmen, so daß die Mitglieder des Forschungskreises über die neuesten Entwicklungen in der UNO auf dem Laufenden gehalten werden. UNIC Bonn seinerseits verspricht sich von der Zusammenarbeit einen größeren Kreis von Ansprechpartnern für die Mitwirkung an UNIC-Pressekonferenzen oder Veröffentlichungen.

6. In Bezug auf die im Einleitungs-Statement angesprochene interdisziplinäre Zusammenarbeit wird in der Diskussion der große Nachholbedarf in der interdisziplinären Zusammenarbeit der Fachbereiche Internationales Recht, Internationale Politik und Weltwirtschaft betont. Es wird angeregt, die systematische Datenerhebung auch auf die Art der interdisziplinären Zusammenarbeit auszudehnen und zu den Konferenzen möglichst Vertreter aller relevanten Fachbereiche einzuladen.

Denkbar wäre mittelfristig - nach Abschluß der Aufbauphase des Forschungskreises - die kontinuierliche Zusammenarbeit des Forschungskreises mit einzelnen Universitäten bei Schwerpunktthemen, evtl. verknüpft mit der Beschaffung von Forschungsmitteln.

7. Ausführlich diskutiert wird die Art und Weise, wie man am besten an die Daten für eine For-schungsdatenbank kommt: Es besteht Konsens, daß man eine Fragebogenaktion starten solle; diskutiert wird jedoch Adressatenkreis und Offenheit der Fragen:

a) Manche Teilnehmer sind für einen möglichst großen Adressatenkreis, andere mahnen aufgrund der Erfahrungen des Menschenrechtszentrums Potsdam mit einer ähnlichen Umfrage (im Bereich der Lehre und Forschung zu den Menschenrechten) zu einem kleineren Adressatenkreis. Dr. Volger empfiehlt, mit den Teilnehmern und den Interessenten zu beginnen und dann allmählich den Kreis zu erweitern.

b) In Bezug auf die Offenheit der Fragen wird befürchtet, dann zu wenig konkrete Angaben z.B. über die Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten zu erhalten.

c) Diskutiert wird auch das Vermittlungsproblem, d.h. die Didaktik der UN-Lehrveranstaltungen. Wichtig sind auf jeden Fall die jeweiligen Schwerpunkte in der Lehre und Forschung zu den Vereinten Nationen.

In diesem Zusammenhang schlägt Dr. Wüstenhagen vor, einen Praktikanten des UNIC Bonn für die Fragestellung einzusetzen, welche Lehrveranstaltungen im deutschsprachigen Raum zu den Vereinten Nationen abgehalten werden.

d) Es besteht Konsens, daß man auf der ersten Folgekonferenz über die ersten Ergebnisse der Umfrage weiter diskutieren muß.

e) Es wird an die Teilnehmer des Forschungskreises appelliert, regelmäßig Berichte über ihre Forschungen ins Internet zu stellen, um die Informationen aktuell und interessant zu machen.

Herr Wesel regt an, die Homepage des Forschungskreises unter anderem auch für eine möglichst breite Diskussion zu nutzen, z.B. durch die Einrichtung von Newsgroups oder Diskussionsforen auf der Homepage des Forschungskreises.

8. Es besteht Konsens, daß man möglichst bald, d.h. am Ende des Sommersemesters eine Folgekonferenz, ebenfalls an der Universität Potsdam, abhalten möchte. Als mögliche Schwerpunkte werden von den Teilnehmern vorgeschlagen: Nachwuchsforschung, Probleme des UN-Personals/der Arbeitsplätze im Bereich der Vereinten Nationen, Verhältnis der EU und der UNO.

9. Auf den Einwand hin, daß der Netzwerk-Begriff in den letzten Jahres eine inflationäre Verwendung gefunden hätte, entschließt sich die Konferenz, sich "Forschungskreis Vereinte Nationen" zu nennen. Dr. Volger wird auf Vorschlag von Prof. Klein mit Unterstützung von Prof. Hüfner und Dr. Wüstenhagen mit der Aufgabe der ehrenamtlichen Koordination des Forschungskreises betraut.

Der Forschungskreis möchte alle Interessierten aus dem deutschsprachigen Raum einladen, sich an dem Forschungskreis zu beteiligen, es gibt keine formale Mitgliedschaft, der Forschungskreis ist keine formalrechtliche Institution, sondern man tritt ihm durch einfache Erklärung bei. Man erklärt damit seine Bereitschaft, im Sinne der oben genannten Aufgaben an dem Forschungskreis mitzuarbeiten.

Um 17.15 Uhr wird die Konferenz durch Prof. Klein geschlossen.

 

Falkensee, den 18.12.1999

Dr. Helmut Volger

 

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